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Achslacher Perlmuscheln sollen sich wieder vermehren

Achslach, den 30.06.2016

Wissenschaftliches Projekt will Muschelbestand im Wolfertsrieder Bach stabilisieren – Bürgermeisterin sieht Chance

von Stefan Muhr

 

 

 

 

So sehen Perlmuscheln aus: Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner vor dem Wolfertsrieder Bach, in dem sich rund 700 Exemplare der margaritifa margaritifa befinden. − Foto: S. Muhr

 

Viechtach. Wer an Muscheln denkt, in deren Innerem sich mattglänzende Perlen verbergen, bringt damit sicherlich eher die Weltmeere in Verbindung als den Bayerwald. Aber auch in den heimischen Bächen können diese vom Aussterben bedrohten Muscheln leben. Achslachs Wolfertsrieder Bach bietet den Perlmuscheln (margaritifera margaritifera) wieder ein Zuhause. Die Wiedereinsetzung und Aufzucht der Schalentiere wurde vom ArKoNaVera-Projekt der Ministerien für Bildung und Forschung und für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit gefördert.

Letztes Jahr ist das Projekt im Wolfertsrieder Bach reaktiviert worden, nachdem es laut Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner eine Zeitlang geruht hat. Der Wolfertsrieder Bach fließt westlich von Achslach, ist relativ naturbelassen und bietet einen ganz guten Lebensraum für die anspruchsvolle Flussperlmuschel. Sie will klares Wasser, wenige Sedimente, keine Gülle-Einträge. Bei der komplizierten Fortpflanzung ist sie auf die Forelle angewiesen, in deren Kiemen sie zehn Monate parasitisch lebt und zur Jungmuschel heranwächst. Wenn Temperatur und Bachbett geeignet sind, lassen sich die jungen Muscheln aus den Kiemen fallen und graben sich ein. Nach rund sieben Jahren, sie sind dann ausgewachsen, kommen sie an die Oberfläche des Gewässergrundes.

Die Anzahl der Muscheln liegt laut Kerstin Schecher von der Unteren Naturschutzbehörde aktuell bei ungefähr 700 Exemplaren der Gattung. Früher gab es in Kirchaitnach ebenfalls eine Muschelkultur, die aber nicht mehr existiert. Somit dürfte Achslach der einzige Ort im Landkreis sein, an dem noch lebende Perlmuscheln zu finden sind.

Das Ziel des Projektes ArKoNaVera ist es, die existierenden Bestände zu stabilisieren und zu schützen. Die Verantwortlichen hoffen, dadurch die Eigenreproduktion der Muscheln anzuregen, sodass sie sich über die Zeit wieder selbst in den Gewässern des Bayerwaldes ansiedeln.

Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner befürwortet das Projekt und sieht darin auch Chancen für die Gemeinde. "Im Bereich Tourismus könnten wir damit punkten", sagt die Rathauschefin. Auch ein Lehrpfad um den Bach mit allerhand Wissenswertem um die Perlmuschel steht im Raum. Auf die Gemeinde kommen dadurch allerdings keine Kosten zu, sagte die Bürgermeisterin. Wenn die Muschelpopulation stabilisiert sei, solle auch eine Vermehrung der Exemplare in Angriff genommen werden.

Vor zwei Jahrhunderten waren die Flussperlmuscheln zusammen mit anderen Muschelarten häufig in den Gewässern des Bayerischen Waldes zu finden. Auch ein florierendes Perlfischerei-Gewerbe gab es in der Region. Mit dem Lauf der Zeit jedoch verursachten sich verändernde Umstände einen Rückgang der Reproduktionsrate der Flussperlmuscheln. Darum gehören diese zu den aussterbenden Arten nicht nur in Deutschland, sondern weltweit.

 

Foto: Flussperlmuschel

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