Mönche rodeten bereits vor 1200 Jahren das Achslacher Hochtal

VBB-Serie "900 Jahre Achslach" (Teil IV) – Besiedelungsgeschichte reicht weit zurück – Benediktiner des Klosters Metten kolonisieren das Gebiet.         

 

Von Benedikt Ebner

Siegel

Achslach. Wie wir bereits mehrmals erfahren haben, erscheint der Ort Achslach erstmals im Jahre 1115 (laut Anton Trellinger bereits 1114) im Lichte der Geschichte unter dem Namen Draslaha in den Traditionsbüchern des früheren Kloster Oberaltaichs. Wiederum urkundlich erwähnt wird der Achslacher Namensgeber, diesmal als "Eppo de Drahsala" am 11. Dezember 1126, als dieser neben der Bogener Grafenfamilie und weiterer Ministerialen als Zeuge einer Stiftungsurkunde für das Kloster Oberaltaich vor Papst Honorius II. im Lateran zu Rom erscheint.

 

 

 

 

 

Die päpstliche Bulle (Siegel) auf der Urkunde von 1126 ist aus Blei und zeigt auf der Vorderseite die Köpfe der Apostel Paulus (Kürzel SPA) und Petrus (Kürzel SPE) und auf der Rückseite den Namen von Papst Honorius II.

 

Nach langem Quellenstudium, gründlicher Abwägung aller bekannten Fakten und des aktuellen Forschungsstandes einiger Historiker und Heimatforscher reichen die frühesten Anfänge von Achslach aber noch weiter zurück. Schenkt man der Dissertation des gebürtigen Allersdorfer Historikers Dr. Rudolf Penzkofer Beachtung, so setzte schon bald nach Gründung des Klosters Metten in der Zeit von 760 bis 770 nach Christus durch die Benediktiner eine intensive Rodungstätigkeit ein, welche bis zur Arnulfschen Säkularisation zu Beginn des 10. Jahrhunderts andauerte.

 

Schenkungsurkunde

 

Herzog Tassilo III., unter dessen Schutz die Abtei anfänglich stand, hatte den Benediktinern einen bis dahin völlig unbewohnten Wald übereignet, der im Süden von der Donau, im Westen von Sulzbach, Schwarzach und Rohrmühlenbach mit westlichem Bogenbach (Mühlbogenbach), im Norden vom Kamm des Höhenzugs zwischen Hirschenstein und Vogelsang und im Osten vom östlichen Bogenbach (Kollbach) begrenzt wurde. Hier im Vorwald setzte zunächst das planvolle Siedlungswerk ein, dessen Ausgangspunkt das bereits im Rodungsgebiet liegende Kloster war.

 

 

 

 

Die Schenkungsurkunde, mit der Graf Albert I. von Bogen im Jahr 1115 dem im Jahr 1100 gegründeten Kloster Oberaltaich die "untertänige" Engilrad mit ihren sechs Kindern schenkte. Neben weiteren Mitgliedern aus der Klasse des Dienstadels gehörte auch Achslachs "Eppone de draslaha" zum Gefolge des Grafen. − Fotos: Bayerisches Hauptstaatsarchiv/Repro Ebner

 

 

Karl der Große, unter dessen königlichen Schutz und Immunität das Kloster Metten nach der Niederwerfung Bayerns im Jahre 788 stand, erlaubte den Benediktinern durch ein weiteres Schenkungsgebiet die zusätzliche Rodungs- und Kolonisationstätigkeit nördlich des Vorwaldes bis zum Schwarzen Regen. In ihrer zweiten Siedlungswelle drangen diese nunmehr über den Kaltecker Bergsattel hinunter in das Achslacher Hochtal, wobei vor allem Flüsse und Bäche als Leitlinien dieser ältesten Besiedlung dienten. Vom östlichen Bogenbach (Kollbach) aus gelangten die Mettener Rodungsleute in den Raum der mittleren und unteren Teisnach (Achslacher Bach) und machten den Urwald beiderseits des Flusses urbar. Erst später zogen sie vom Mündungsgebiet der Teisnach den Schwarzen Regen abwärts.

 

Eine weitere Gruppe der Mettener Dienstmannen setzte von Achslach ausgehend – begünstigt durch eine bereits bestehende Wegeverbindung – in nördlicher Richtung ihre Rodungstätigkeit fort, wobei viele Historiker vor allem im Achslacher Gemeindeteil Schreindorf ("Schragendorf") nicht nur ein wichtiges Wirtschafts- und Verwaltungszentrum, sondern wegen seiner zentralen Lage sogar den Sitz der klösterlichen Verwaltung und des Gerichts im Karolingerwald vermuteten (Penzkofer, Historischer Atlas Bayern).

 

Begrenzt wurde das "karolinger" Einzugsgebiet des Mettener Reichsklosters im Westen und Norden durch St. Emmeram in Regensburg mit seinem Filialkloster Chammünster und im Osten durch das Kloster Niederaltaich. Allerdings lässt sich die Besiedlungsgeschichte des Nordwaldes von den Historikern nur unter großen Schwierigkeiten rekonstruieren, nachdem ein verheerender Brand des Klosters Metten im Jahre 1236 auch das Archiv mit den ältesten Urkunden vernichtet hat.

 

Mit welchem Fleiß und welcher Beständigkeit die Benediktiner ihrem Kolonisierungsauftrag sowie zahlreicher Namensgebungen im Dotationsgebiet in nur knapp einem Jahrhundert Folge leisteten, beweist das am 19. Juli 882 in "Asloha" von Kaiser Karl III. ausgestellte Dokument. Darin wird dem Stifte Metten eine Schenkung Karls des Großen aus dem Jahre 788 bestätigt, welches ein Gebiet mit folgenden Grenzen umfasste: im Osten eine Linie von der Quelle der "orientalis Bogana" (heute Kollbach am Vogelsang) über "Echirichesbuoh" (Eckersberg, Gemeinde Zachenberg) nach "Urcho" (Auerkiel, Gemeinde Böbrach), von da im Norden des "Regana" (Schwarzer Regen) entlang bis zur Mündung des "Ascbah" (Asbach); dann im Westen von "Tuninesberg" (Altnußberg) über den "Hornberc" (Hornberg) zur Quelle der "occidentalis Bogana" (westlicher Bogenbach/Mühlbogenbach hinter dem Hirschenstein); schließlich wird dieses Gebiet im Süden durch eine Grenzlinie von der Quelle der "occidentalis Bogana" zur Quelle der "orientalis Bogana" abgeschlossen – eine Grenze, die sicher über den Höhenkamm Hirschenstein – Vogelsang, der später zugleich zur Grenze des Gerichtes und Dekanates Viechtach geworden ist, verlief.