900 Jahre Achslacher Ortsgeschichte: "Drasloha"

2. Teil der VBB-Serie – Von der Ersterwähnung des Orts "drasloha" bis hin zu der heute gängigen Schreibweise "Achslach"  von Benedikt Ebner

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Achslach, wie man es heute kennt: Ein Hauch von Idylle im Bayerischen Wald. −Repro/Foto: Ebner

 

Achslach. Einem runden Jubiläum sind die Beiträge des Viechtacher Bayerwald-Boten zum Rückblick auf die 900-jährige Geschichte von Achslach gewidmet. Bevor es aber um die Ortsgeschichte ab dem Jahre 1409 geht, gilt es im 2. Teil der Reihe heimatgeschichtlicher Beiträge, die Entwicklung des Ortsnamens von der Ersterwähnung "drasloha" bis hin zur heutigen Schreibweise zu verfolgen. Zudem werden geschichtliche Irrtümer korrigiert, wonach selbst früheren Historikern immer wieder Verwechslungen des Achslacher Ursprungnamens mit Drachselsried unterlaufen sind.

 

Dem Deggendorfer Historiker und Studienassessor Willibald Schmidt (Heft "Der Bayer-Wald" von Juni 1925) nach zu urteilen, hat die Deutung der Ortsnamen nicht von der heutigen Schreibweise auszugehen, sondern von den ältesten urkundlich feststellbaren Formen. Eine unschätzbare Hilfe leistet dabei die heutige Lautung, die mundartliche Aussprache, die nach seiner Beschreibung nach "konservativer sind als die amtliche Schreibung und auch die der alten Flurnamen".

 

Im Jahre 1280 finden wir im herzoglichen Salbuch "Dioslach"; Trellinger suchte darin das heutige Irlach. Doch es handelt sich sicher um einen der häufigen Druckfehler, der in "Droslach" zu verbessern ist. Auch im 2. Salbuch von 1310 sieht Schmidt keinen Grund, die Benennung von "Drahsla" – wie geschehen – für Drachselsried zu halten, nachdem "Drahsla" ("Droslach") im "Amt Viechtach" aufgeführt ist. Es kann damit gar nicht Drachselsried gemeint sein, da dieses um 1320 als Draechselried im "Schergenamt Böbrach" (officium preconis in Pebrach) aufgeführt wird, also einem anderen Verwaltungsbezirk angehörte. Den Ortsnamen Drachselsried erkennt man auch in alten Urkunden und Salbüchern in der Zeit des 12. und 13. Jahrhunderts mit "Drasselsride", "Drächselsried", "Draxleinsried", "Traxelsried" und ähnliche wieder.

 

1900

Ein Foto von Achslach um 1900 aus der Sammlung von Sparkassendirektor Alois Graßl.

 

Wie kommt es nun, dass "Drahsala" (Achslach um 1126) solange für Drachselsried gehalten wurde? Zunächst verführten wohl dazu die urkundlichen Formen mit anlautendem "Dr", dann aber auch die Tatsache, dass in Drachselsried eine Burg stand und dort eine Reihe von Rittergeschlechtern bekannt war, während in Achslach weder Burg noch Burgherren bekannt sind. Aber in der Zeit des Achslacher Eppo’s hatten auch andere Ministerialen des "Viechtreichs" keine Burg. Die ebenfalls in den Urkunden des 12. Jahrhunderts genannten "Megingoz von Prakenbach", "Otto von Voggenzell", "Albert von Moosbach" und "Herwic von Wettzell" saßen auf ihrem Herrenhof, in der Regel nur durch Erdumwallung und Umzäunung befestigt. Das Fehlen einer Burg in Achslach bedeutet also nicht, dass man den Wohnsitz des "Eppo von Drahsala" anderswo als in Achslach suchen muss. Die Burg zu Drachselsried hat außerdem zu Lebzeiten des "Eppo" noch gar nicht bestanden.

 

Der Ortsname änderte sich von "Drasloha" im Jahre 1115 über "Drahsala" (1126), "Droslach" (1280), "Droßlach" (1285), "Drahsla" (1310) und Achszlach (1431) zur jetzigen Fassung Achslach, die 1527 erstmals erwähnt ist.

 

1285 gründete der edle Heinrich von Pföhling (Pfelling) auf seinem Gute "Droßlach" ein kleines Zisterzienserkloster. Am 9. Mai 1286 bestätigte Bischof Heinrich II. von Regensburg (1277 – 1296) die Stiftung und ändert den Namen in "Cella dei" (= Gotteszell). Der Theologe und Kirchengeschichtler Ferdinand Janner aus Regensburg (1836 – 1895) bemerkte in seiner "Geschichte der Bischöfe von Regensburg" zu "Droßlach" ganz richtig: "eigentlich in der Oxlach, wie heutzutage noch in der Oxla". Die Villa des Pföhlingers trug wie auch das heutige Achslach den Namen der Gegend, in der beide liegen. Demnach wurde in früheren Jahrhunderten auch die Gotteszeller Gegend zur "Oxla" gerechnet.

 

Der mundartliche Sprachgebrauch zeigt, dass es sich bei Achslach um einen alten Flurnamen handelt. Die Mundart ("Oxla") gibt den Formen mit Gaumenlaut (x) von 1126 und 1310 – die allen späteren Formen entsprechen – das Übergewicht. Das Grundwort ist "Ach" (verkürzt zu –a) mit der Bedeutung "Wasser", beziehungsweise "großer Bach". Das Bestimmungswort muss offenbar in der Schrift "ahsal" (1126) und in der Mundart "Oxl" gelautet haben. Die Form von 1280 zeigt wie auch die von 1285 den Einfluss der Mundart in der Schreibung. Wie sollte "ahsal" (Mundart: "Oxl") anders gemeint sein als das heutige "Achsel", das auch sonst in Altbayern in Orts- und Flurnamen hochgelegenes Gelände bezeichnet. Achslach bedeutet also "die hochgelegene Ache", "Achselwasser", "in der Achslach" oder so viel wie "im Hochtal", beziehungsweise "in der Hochau", da ein von Wasser durchflossenes Tal meist als "Au" bezeichnet wurde.

 

Woher kommt nun aber die seltsame Tatsache, dass alle älteren Formen des Ortsnamens mit diesem überflüssigen und unberechtigten "Dr" beginnen? Der Grund dürfte laut Schmidt darin liegen, dass damals alle Urkunden und sonstigen amtlichen Schriftstücke in lateinischer Sprache abgefasst wurden. Das deutsche "in der Achslach" wurde im Latein, das kein Geschlechtswort kennt, zu "in drahsale", "von der Achslach" zu "de drahsla". Da im Deutschen der Ortsname nur mit dem Geschlechtswort (in der Achslach, von der Achslach) gebraucht wurde, hätte eine lateinische Form "in Ahsala" oder "de ahsla" für das Sprachgefühl die Ortsbezeichnung gar nicht richtig und vollständig wiedergegeben.

 

Die Bedeutung des Namens war ja den Schreibern nicht mehr durchsichtig; sie beschränkten sich darauf, die Lautform der Mundart schriftlich festzulegen. Diese enthielt das "dr". Mit dem allmählich einsetzenden überwiegenden Gebrauch der deutschen Sprache auch in der Schrift und dem langsamen Aufkommen des Ortsnamens "Achslach" statt des früheren Flurnamens "in der Achslach" kam dann die reine Form ohne Geschlechtswort zur Geltung und in der Schrift zur alleinigen Herrschaft. Übrigens ist diese Erscheinung gar nicht vereinzelt. In einem Windberger Grundbuch des 14. Jahrhunderts zum Beispiel steht einmal für "in der Aittnach" mit "In drayttnach" ganz dieselbe Verschreibung.