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Martin misst das Waidler-Wetter

29-jähriger Hobby-Meteorologe aus Rattiszell baut ein privates Netz an Messstationen auf

 

Achslach. Es war Station Nr.4 – und Nr.5 folgt sogleich. Vor wenigen Tagen hat Martin Bohmann in Achslach in einer Talmulde eine professionelle und hochpräzise Wetterstation in Betrieb genommen. Sie gehört zu einem privaten Netz von bald fünf Messstationen, was aber noch lange nicht die Obergrenze sein soll. Martin Bohmann, ein 29-jähriger Hobby-Meteorologe aus der Gemeinde Rattiszell (Lkr. Straubing-Bogen), will das ganz besondere Klima im Bayerischen Wald genauer messen und analysieren.
Die neueste Station misst rund um die Uhr den aktuellen Wetterzustand in Achslach. Es werden die Lufttemperatur in zwei Meter Höhe über dem Boden, die Luftfeuchtigkeit, der Luftdruck, die Windgeschwindigkeit, die Windrichtung und die Niederschlagsmenge erfasst. "Die Sensoren wurden dabei bestmöglich nach den Normen des Deutschen Wetterdienstes (DWD) angebracht", teilte der junge Mann mit.
Das Frost-Phänomen in der Achslacher SenkeDie Wetterstation steht auf einer freien Wiese auf einem optimalen Standort, "denn das Achslacher Hochtal ist klimatisch sehr interessant". Eine meteorologische Besonderheit, die viele Achslacher aus Erfahrung kennen, fasst Martin Bohmann, der sich seit seiner Schulzeit mit dem Wetter befasst, fachmännisch zusammen:
"Der Talkessel bildet in sternenklaren Nächten einen sogenannten Kaltluftsee. In wolkenlosen Nächten strömt nämlich von den umliegenden Berghängen die feucht-kalte Luft in die Achslacher Talmulde hinab. Da sich die Senke in Achslach deutlich verengt, kommt die abfließende Kaltluft fast komplett zum Erliegen und staut sich sozusagen auf, was den Kaltluftsee bildet. In allen Himmelsrichtungen befinden sich zudem Berge und Hügel, so dass die Kaltluft im Talkessel regelrecht eingesperrt ist und sich die gesamte Nacht hinweg sammeln kann. Am kältesten ist es in sternenklaren Nächten immer kurz vor Sonnenaufgang."
Bei bestimmten Inversionswetterlagen, die insbesondere in den Herbstmonaten auftreten, kann es zu Temperaturunterschieden von bis zu über 15 Grad Celsius zwischen Achslacher Hochtal und dem umliegenden Hauptkamm des Vorderen Bayerwaldes (bis 1100 Meter Höhe) kommen.
Die Wetterstation im Achslacher Hochtal ist eingebettet zwischen Hirschenstein (1095 m), Kälberbuckel (1054 m), Schusterstein (998 m), Geißberg (909 m), Kirchberg (675 m), Eisberg (717 m), Vogelsang (1022 m), Rauher Kulm (1050 m) und Klausenstein (1048 m).
Martin Bohmann: "Dadurch ist in Achslach bis in den Frühsommer hinein Luftfrost möglich. Bodenfrost kann das ganze Jahr hinweg auftreten. Selbst in den Sommermonaten Juni und August ist bei kühlen Wetterlagen leichter Luftfrost zu erwarten. Wie kalt es in Achslach genau werden kann, wird uns in den nächsten Monaten und Jahren die neue Wetterstation zeigen", sagt der junge Mann, der als Speditionskaufmann seine Brötchen verdient.

wetter
Die vierte Station seines privaten Wettermessnetzes hat Martin Bohmann jüngst in Achslach mit Untestützung durch Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner aufstellen können. −Foto: Bohmann
 

Doch nicht nur Achslach will er klimatisch erforschen. Die Wetterstation in Achslach gehört zum Wettermessnetz Ostbayern, das von Martin Bohmann gegründet wurde und seit geraumer Zeit Messstationen in Eggerszell (Gemeinder Rattiszell), Hinterwies (Sankt Englmar) und Oberbreitenau (Bischofsmais) umfasst. In wenigen Tagen kommt eine weitere Station beim Dreisessel (Haidmühle) hinzu.

Die Wetterdaten sindfür jedermann abrufbar Ziel des Wettermessnetzes Ostbayern sei es, das regionale Klima innerhalb des Bayerischen Waldes näher zu erforschen und Live-Wetterdaten von interessanten Standorten zu bieten, denn der gesamte Bayerwald verfüge über ein besonderes Klima und individuelle Wetterphänomene wie eben die frostige Senke in Achslach. Die ausführlichen Daten von Bohmanns Wetterstationen sind unter www.wetter-eggerszell.de/wettermessnetz jederzeit einzusehen.

Martin Bohmann agiert nach eigener Aussage aus purer Leidenschaft und investiert pro Station an die 2000 Euro sowie unzählige Stunden in Aufbau, Wartung und Auswertung. Dabei erhält er jedoch Unterstützung. So seien der Wetterrechner und die Konsole der Wetterstation Achslach bei Familie Birgit Wagner untergebracht, "ohne deren Hilfe dieses höchst-interessante Projekt nicht in dieser Form möglich gewesen wäre". Die Gemeinde Achslach mit Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner habe das Projekt zusätzlich finanziell unterstützt. − jkl  27.05.20

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