Hightech in der Einöde 


Klimaforschung auf der Ödwies bei Achslach: Hier werden sogar Ozonwerte gemessen

 

30.08.2024 | Stand 30.08.2024, 5:00 Uhr |

 

Antonia Herzinger

Försterin Franziska Dendl ist verantwortlich für das Revier, in dem die Waldklimastation aufgebaut ist. Mit den Messungen hat sie eigentlich nichts zu tun, die Ergebnisse sind aber auch für ihre Arbeit interessant. „Die Waldwirtschaft ist sehr stark witterungsabhängig. Baumwachstum, Schädlingsvorkommen oder Humus-Umsetzung – das hängt alles von der Temperatur und vom Niederschlag ab“, sagt Dendl.

Der Saure Regen der 80er war Anlass für das Projekt

Dr. Stephan Raspe ist Biologe an der LWF und leitet das Projekt, das 1991 ins Leben gerufen wurde. „Ende der 1970er-Jahre und vor allem in den 1980er-Jahren waren große Teile der Wälder in Europa vom sauren Regen belastet“, erklärt Raspe. Damals seien europaweit Projekte wie die Waldklimastationen ins Leben gerufen worden, mit denen Umwelteinflüsse und die Reaktion der Wälder gemessen werden.

„Die Säurebelastung ist stark zurückgegangen. In den 80er-Jahren hatten wir einen pH-Wert von etwa 4,5 oder geringer, das ist fast so sauer wie eine Zitrone. Heute messen wir Werte zwischen 5,5 und 6 – das kommt schon an Mineralwasserqualität heran“, sagt der Biologe. Im Vorderen Bayerischen Wald, der zwischen Viechtach, Deggendorf und Zenting (Landkreis Freyung-Grafenau) liegt, sei die Säurebelastung aber immer noch höher als im Hinteren Bayerischen Wald.

Station auf der Ödwies ist eine von sechs Schwerpunktstationen

Die Waldklimastation auf der Ödwies ist eine von sechs Schwerpunktstationen. Hier wird sozusagen das „volle Programm“ gemessen. Neben der Freilandmessstelle werden auch an einer Bestandsmessstelle einige hundert Meter weiter im Wald Daten erhoben. Jeden Dienstag kommt Andreas Menauer hierher, um diese zu übertragen. „Das funktioniert teilweise per Satellit, manches speichere ich auf einen USB-Stick“, sagt Menauer.

Außerdem sammelt er diverse Wasserproben und füllt sie in Fläschchen ab, die an die LWF nach Freising geschickt werden. Um die Proben zu gewinnen, gibt es verschiedene Methoden. Im Wald und auf der Wiese verteilte Säulen fangen Wasser auf, Saugkerzen ziehen mit Hilfe von Unterdruck Wasser aus dem Waldboden und Stammablaufrinnen sammeln Wasser direkt an den Bäumen. Daraus kann dann die stoffliche Zusammensetzung analysiert und die Schwankung der Wassermengen ermittelt werden.

Die Ozonwerte werden extra in Schweden analysiert

Sogenannte passive Ozonsammler messen auf der Freilandmessstelle die Ozonwerte. „Ozon ist ein zellschädigendes Gas, welches in höheren Konzentrationen in Blättern und Nadeln zu schweren Schädigungen führen kann“, sagt Stephan Raspe. „Deshalb messen wir die Konzentration in der Luft als einen wichtigen Umwelteinfluss auf die Gesundheit unserer Wälder.“ Die Messplättchen dafür kommen extra aus Schweden und werden dorthin zurück in ein spezielles Labor geschickt, weil die Daten nur dort ausgewertet werden können.

Die Waldklimastation Mitterfels ist insgesamt in einem guten Zustand, einzelne Messungen können aber derzeit wegen defekter Messgeräte nicht durchgeführt werden. Seit 2011 wird das Projekt nicht mehr wie zu Beginn von der EU gefördert, sondern ausschließlich vom Freistaat Bayern finanziert. „Einzelne Bestandteile der Messstellen wurden in den vergangenen Jahren beschädigt“, sagt Projektleiter Stephan Raspe. „Erst letzte Woche war eine Kollegin für eine Bestandsaufnahme vor Ort und ich habe unser Techniker-Team beauftragt, die defekten Stammablaufrinnen zu reparieren. Wir müssen gerade viel nacharbeiten, aber da tut sich was.“

 7ca9afb51b64-29-119030144Versteckt im Boden und verbunden mit einem unterirdischen Auffangnetz sammelt diese Flasche Wasser, das von der LWF in Freising analysiert wird. − Foto: Antonia Herzinger

 

 771955453e83-29-119030143Mit einer Pumpe erzeugt Andreas Menauer in diesen Saugkerzen Unterdruck. Die Schläuche führen in den Waldboden, aus dem sie Wasser ziehen. − Foto: Antonia Herzinger