Weiteres Jahr ohne neue Schulden

 

Für Hochbehälter und Baugebiet fallen weniger Ausgaben an – Bürgerversammlung in Achslach mit 45 Besuchern

 

01.04.2025

e91ea1d4f916-29-125717304Interessierte Blicke auf die Leinwand: Mit einer Powerpoint-Präsentation erläuterte Achslachs Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner (rechts) die finanzielle Situation und die Investitionen der Gemeinde. Zur Bürgerversammlung waren 45 Besucher gekommen. − Foto: Michael Kramhöller

 

Von Michael Kramhöller

 

Achslach. Der Neubau des Wasserhochbehälters Lindenau sowie die Erschließung des Baugebietes „Vogelsangstraße“ prägen den Maßnahmenkatalog der Gemeinde Achslach in den kommenden Jahren. Zur Finanzierung ist im mittelfristigen Investitionsprogramm für 2025 eine Kreditaufnahme von 700 000 Euro verankert. Da sich aber heuer die Ausgaben für beide Maßnahmen in Grenzen halten werden, kommt die Gemeinde höchstwahrscheinlich ohne neue Darlehen über die Runden. Somit wird sich auch der Schuldenstand von derzeit 805 000 Euro nicht erhöhen. „Aufgeschoben ist aber nicht aufgehoben, ab 2026 sind die Zeiten ohne Neuverschuldung endgültig vorbei“, betonte Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner bei der Bürgerversammlung im Gasthof „Zur Post“.
 

Die Rathauschefin freute sich über die wiederum gute Resonanz mit 45 Besuchern. Einige nutzten die Gelegenheit, schon während Wittenzellners Ausführungen ihre Fragen vorzubringen. Die Bürgermeisterin hatte wieder eine umfangreiche Powerpoint-Präsentation mit Zahlen, Erläuterungen und zahlreichen Fotos zusammengestellt. Sie startete mit den Einnahmen der Gemeinde Achslach, mit knapp 1000 Einwohnern die kleinste Kommune des Landkreises. 

Den starken Rückgang der Schlüsselzuweisung von 393 000 auf 263 500 Euro begründete sie mit dem 2024 erreichten Rekord beim Gewerbesteueraufkommen (760 000 Euro), da die Steuerkraftmesszahl bei der Höhe der Schlüsselzuweisung eine wichtige Rolle spiele. „Heuer dürfte sich die Gewerbesteuer bei etwa 300 000 Euro einpendeln, sodass wir nächstes Jahr wieder mehr Schlüsselzuweisung bekommen“, sagte Wittenzellner. Die Einnahmen aus den Grundsteuern A und B (insgesamt 109 000 Euro) würden trotz neuer Hebesätze nahezu unverändert bleiben.

Leichte Anstiege vermeldete die Rathauschefin beim Einkommensteueranteil (670 000 Euro) und beim Umsatzsteueranteil (19 000 Euro). Ausführlicher widmete sich Gaby Wittenzellner der Hundesteuer (2600 Euro bei 92 angemeldeten Vierbeinern). Dieser Betrag fließe in den allgemeinen Haushalt der Gemeinde und könne nicht für die Beseitigung des leidigen Hundekots oder die Beschaffung von Hundetoiletten verwendet werden, erklärte die Bürgermeisterin. 

An weiteren Einnahmen zählte sie auf: Konzessionsabgabe (26 400 Euro), Zuschüsse für Straßenunterhalt und Winterdienst (48 250 Euro), Kanalgebühren (75 000 Euro), Wassergebühren (149 500 Euro), Investitionspauschale (133 300 Euro) und Fremdenverkehrsabgabe (23 700 Euro).

 

Erhöhte Kreisumlage: „Grenze ist erreicht“

Den nahtlosen Übergang zu den Ausgaben eröffnete Gaby Wittenzellner mit der Kreisumlage. Nach deren Erhöhung ergebe sich für Achslach ein großer Anstieg von 561 000 auf 718 700 Euro. „Der Landkreis muss seinen Sparkurs unbedingt fortsetzen. Die Grenze ist erreicht, eine noch höhere Belastung können wir als kleine Gemeinde nicht mehr verkraften“, verdeutlichte die Rathauschefin. 

Als weitere Ausgaben schlagen zu Buche: VG-Umlage (208 000 Euro), Umlagen für Grundschule Gotteszell (116 000 Euro) und Mittelschule Ruhmannsfelden (68 000 Euro), Verwaltungs- und Betriebsaufwand (201 500 Euro), Personalkosten (578 000 Euro), Straßenunterhalt (25 000 Euro), Bewirtschaftung von Gebäuden und Grundstücken (59 500 Euro), Unterhalt von Fahrzeugen (31 700 Euro), Zinsen (20 350 Euro).

Den nächsten Schwerpunkt bei den Ausführungen der Bürgermeisterin bildeten Informationen zu abgeschlossenen, laufenden oder geplanten Maßnahmen. Im Vorjahr seien durchgeführt worden: Neubau der Wasserleitung in der Hauptstraße/Kreisstraße (587 000 Euro) mit Erneuerung des Gehweges (92 000 Euro), die Brunnenleitung Lindenau (246 000 Euro), der Glasfaser-Ausbau in Frath (60 000 Euro), der Entlastungskanal in der Kirchbergstraße (120 000 Euro).

 

Große Eigenleistungen bei kleinen Maßnahmen

Nicht unerwähnt ließ Wittenzellner kleinere, aber wichtige Maßnahmen wie Asphaltierungen auf der Zufahrt zu Mehrzweckgebäude und Feuerwehrgerätehaus (61 000 Euro), auf dem Abschnitt zwischen Dorfplatz und Brücke (11 000 Euro) und auf dem Vorplatz der alten Schule (7200 Euro). Bei der Sanierung des Leichenhauses (8500 Euro) und beim Einbau eines neuen Bodenbelages im Kindergarten (9000 Euro) lobte die Rathauschefin die beachtlichen Eigenleistungen und das große Engagement des 2. Bürgermeisters Hans Gruber. „Bei der Entfernung des alten Fußbodens haben sogar die Kindergartenkinder begeistert mitgeholfen“, freute sich Wittenzellner. Zum Kindergarten St. Jakob, der heuer 30-jähriges Bestehen feiert, ergänzte die Bürgermeisterin, dass voriges Jahr ein Defizit von 220 000 Euro angefallen sei.


Ebenfalls mit kleineren Maßnahmen begann sie den Ausblick auf die diesjährigen Vorhaben. Die Sanierung des alten Schulgebäudes, das den Kindergarten beherbergt, werde fortgesetzt mit dem gerade begonnenen Einbau von 23 neuen Fenstern (Kosten 24 000 Euro) und der Erneuerung der Holzvertäfelung (9000 Euro). Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung sei die Errichtung von zehn weiteren Urnengräbern beschlossen worden. Dann widmete sich die Bürgermeisterin den beiden Großprojekten. Zum Neubau des Wasserhochbehälters Lindenau mit geschätzten Kosten von rund 1,5 Millionen Euro sollen im Sommer die Arbeiten vergeben werden. Gaby Wittenzellner geht davon aus, dass im Herbst der Hochbehälterbau in Angriff genommen wird.


Noch nicht so weit fortgeschritten ist die Erschließung des neuen Wohngebietes „Vogelsangstraße“ mit zwölf Parzellen. Gaby Wittenzellner teilte mit, nun müssten Ausgleichsflächen ausgewiesen werden. Auf den Bebauungsplan eingehend, erwähnte sie die flexiblen Baufenster und die großzügigen Richtlinien. Zur Frage eines Zuhörers antwortete sie, dass sich bislang sechs Interessenten gemeldet hätten. 

„Die Investitionen, die heuer für Hochbehälter und Baugebiet anfallen, können wir selbst finanzieren“, verkündete die Rathauschefin. Daher sei eine Kreditaufnahme – für 2025 waren 700 000 eingeplant – erst nächstes Jahr erforderlich. Die erfreuliche Folge: Ein Anstieg der Schulden, die im vergangenen Jahr von 840 000 auf 805 000 Euro abgebaut wurden, lasse sich heuer vermeiden.

 

Feuerwehr beklagt zugeparkte Zufahrt

Zum Schluss ließ Gaby Wittenzellner mehrere Feste und Feierlichkeiten nochmals Revue passieren und ärgerte sich über den Vandalismus am gerade sanierten Kneippbecken mit herausgerissenen Geländern und zertrümmerten Flaschen. Bei den Wortmeldungen aus dem Zuhörerkreis wurde das noch verbotene Verbrennen von Gartenabfällen mit damit verbundener Rauchentwicklung kritisiert. Feuerwehr-Kommandant Michael Helmbrecht verwies hierbei auf die Einhaltung von gesetzlichen Vorschriften und die Anzeigepflicht. Einzelheiten sollten im nächsten Gemeindeblatt veröffentlicht werden. Außerdem sprach Helmbrecht das unverständliche Parkverhalten bei größeren Veranstaltungen oder Beerdigungen an. Durch abgestellte Autos an der Gerätehauszufahrt und an der Kirchbergstraße sei für das große Einsatzfahrzeug oft ein Durchkommen kaum mehr möglich, beklagte der Feuerwehr-Kommandant. Die Bürgermeisterin kündigte an, dass die Problematik bei einer Verkehrsschau erörtert werde.