Dramatisch zugespitzt hat sich die finanzielle Lage der Gemeinde Achslach im Landkreis Regen. Für den Haushalt 2026, den der Gemeinderat in der jüngsten Sitzung verabschiedete, muss neben dem bereits beschlossenen 706.000 Euro-Darlehen ein weiterer Kredit von 428.000 Euro aufgenommen werden, um über die Runden zu kommen.
Ein Hoffnungsschimmer ist ein ausstehender Förderbetrag von 366.000 Euro. Falls dieser Zuschuss zur 2023 erfolgten Sanierung der Wasserleitung in der Hauptstraße bis Jahresbeginn 2027 ausbezahlt wird, braucht das zusätzliche Darlehen wahrscheinlich nicht in Anspruch genommen werden. Wenn nicht, explodiert der Schuldenstand von 769.800 Euro (Stand 31.12.2025) auf 1,853 Millionen Euro.
Der Etat 2026 weist ein Gesamtvolumen von 4,363 Millionen Euro auf – eine Steigerung von 235.000 Euro im Vergleich zum Vorjahr. Der Verwaltungshaushalt schlägt mit 2,971 Millionen Euro zu Buche, der Vermögenshaushalt mit 1,392 Millionen Euro. Der Haushalt war im Finanzausschuss ausführlich vorberaten worden. Außerdem konnten sich die Gemeinderäte beim Selbststudium des Zahlenwerks über die Ansätze informieren und von der prekären Lage überzeugen.
VG-Kämmerer Andreas Mühlbauer, der den Etat und die mittelfristige Finanzplanung bis 2029 ausgearbeitet hatte, erläuterte in der Sitzung die wichtigsten Zahlen, Daten und Fakten. Er machte dabei deutlich, dass die Gemeinde alles unternehmen müsse, um die Ausgaben auf das Notwendigste zu beschränken und mehr Einnahmen zu generieren. Mit einer von der Kommunalaufsicht mehrmals geforderten Anhebung der Steuerhebesätze um jeweils zehn Prozentpunkte könnten insgesamt etwa 20.000 Euro auf die Habenseite gebracht werden.
Hochbehälterbau ist einzige Groß-Maßnahme
Bei den Investitionen hat der Gemeinderat den Rotstift angesetzt. Neben den unabdingbaren 831.000 Euro für den laufenden Neubau des Wasserhochbehälters Lindenau wurden nur mehr Projekte mit kleineren Beträgen in den Maßnahmenkatalog aufgenommen: Wohngebiet Vogelsangstraße mit 21.500 Euro, kommunale Wärmeplanung mit 21.400 Euro, Brückensanierung mit 15.000 Euro, Straßensanierungen mit 9500 Euro, Kanalkataster mit 8000 Euro, Feuerlöschwesen mit 5000 Euro, Bauhof-Geräte mit 3000 Euro, Sportanlagen-Zuschuss mit 2500 Euro, Wasserleitungen mit 1500 Euro, Kindergarten mit 1000 Euro. Unterm Strich ergibt sich eine Investitionssumme von 922.000 Euro. Hinzu kommen die Tilgungen in Höhe von 51.000 Euro. Da im Verwaltungshaushalt keine Zuführung an den Vermögenshaushalt erwirtschaftet werden kann, läuft es umkehrt: Zuführung vom Vermögens- an den Verwaltungshaushalt von 419.000 Euro.
Die Einnahmequellen des Vermögenshaushalts bestimmen der schon aufgenommene Kredit von 706.000 Euro und der benötigte von 428.000 Euro. Hinzu kommen Investitionspauschale mit 110 000 Euro, Rücklagenentnahme mit 59.400 Euro, Kommunale Wärmeplanung mit 34.800 Euro, Breitbandausbau mit 27.000 Euro, Straßenausbaupauschale mit 14.400 Euro, Herstellungsbeiträge Kanal/Wasser mit 10.000 Euro.
Starker Rückgang bei der Gewerbesteuer
Ausschlaggebend für das diesjährige Haushaltsdilemma sind drei Posten des Etats. Die größten Sorgen bereitet der Einbruch bei der Gewerbesteuer. Nach dem Rekordwert von 2024 mit 792.000 Euro gab es im Vorjahr einen Rückgang auf 444.000 Euro und heuer kann nur mehr mit etwa 300.000 Euro gerechnet werden. Indirekt verbunden mit dem Steueraufkommen 2024 sind die Berechnungen von Schlüsselzuweisung und Kreisumlage. Bei der Schlüsselzuweisung erhält Achslach heuer lediglich 112.700 Euro, im Vergleich zum Vorjahr (263.500 Euro) ein enormes Minus von 150.800 Euro. Die Kreisumlage schnellt auf 791.400 Euro (plus 72.700 Euro). Durch den Rückgang bei Gewerbesteuer und Schlüsselzuweisung und den Anstieg der Kreisumlage ergibt sich ein Fehlbetrag von insgesamt 367.500 Euro gegenüber 2025.
Im Verwaltungshaushalt sind neben Gewerbesteuer und Schlüsselzuweisung an Einnahmen verankert (in Klammern der Vergleich zum Haushalt 2025): Einkommensteuerbeteiligung mit 695.200 Euro (plus 25.300), Gebühren und Entgelte mit 273.300 Euro (minus 9500), Grundsteuer A mit 24.400 Euro (plus 10.400), Grundsteuer B mit 103.500 Euro (plus 9300). Nicht unerwähnt ließ der VG-Kämmerer, dass 2025 bei den Wasser- und Kanalgebühren keine Sonderrücklagen gebildet werden konnten.
Einwohnerzahl von Achslach von 990 auf 969 gesunken
Neben der erwähnten Kreisumlage müssen weitere Ausgaben geschultert werden: Verwaltungs- und Betriebsausgaben mit 605.950 Euro (plus 47.900), Personalaufwendungen mit 589.860 Euro (minus 11.900), Zinsen mit 39.900 Euro (plus 14.600), Tilgungen mit 51.100 Euro (minus 5300), Gewerbesteuerumlage mit 27.000 Euro (plus 7000). Schließlich hat Achslach weitere Umlagen an die Verwaltungsgemeinschaft (VG) Ruhmannsfelden und an zwei Schulverbände zu tragen. Der VG-Betrag verringert sich von 217.800 auf 213.180 Euro, da die Einwohnerzahl von Achslach von 990 auf 969 gesunken und der Umlagesatz (220 Euro je Gemeindebürger) gleichgeblieben ist. Keine nennenswerten Bewegungen gibt es bei den Schulverbandsumlagen. Bei der Grundschule Gotteszell (50 Kinder) kommen 135.000 Euro zusammen, bei der Mittelschule Ruhmannsfelden (17 Schüler) sind es 60.350 Euro.
Neben dem Haushalt 2026 befasste sich der Gemeinderat mit der Finanzplanung bis 2029, die das Gremium ebenfalls einstimmig genehmigte. Im nächsten Jahr werden vier größere Investitionen ins Auge gefasst: 436.000 Euro für den Hochbehälter Lindenau, 300.000 Euro für die neue Brücke in Lindenau, 200.000 Euro für das Baugebiet Vogelsangstraße und 141.000 Euro für die Dacherneuerung Kindergartengebäude.
Für die Jahre 2028 und 2029 sind keine Maßnahmen aufgenommen worden. Damit folgte das Gremium der Anregung von VG-Kämmerer Andreas Mühlbauer: „Zukünftig wird sich die Gemeinde Achslach bei neuen Investitionen erheblich einschränken müssen“.
Steuererhöhungen kaum mehr vermeidbar
In der Diskussion brachten einige Ratsmitglieder zum Ausdruck, dass eine „moderate Anhebung“ der Realsteuern ernsthaft in Erwägung gezogen werden muss, zumal bei der Gewerbesteuer (320 Prozent) landkreisweit nur Geiersthal (310) unter dem Achslacher Satz liegt.
3. Bürgermeister Stefan Aichinger hatte sich mit den hohen Stromkosten bei Kläranlage und Bauhof beschäftigt. Seiner Meinung nach müssten auf den Gebäudedächern Photovoltaik-Anlagen installiert werden; diese Investition würde sich in kurzer Zeit amortisieren. Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner erinnerte daran, das Solar-Projekt sei schon vor einigen Jahren aufs Tapet gebracht, aber nicht mehr weiterverfolgt worden. Und zu dem im Feuer stehenden RZWas-Zuschuss von 366.000 Euro berichtete die Rathauschefin von einem Bittanruf bei der Vergabestelle, bei der sie mit dem Hinweis auf die prekäre Finanzlage um baldige Auszahlung ersucht habe.
