Vor drei Jahren hatte es noch den Anschein, als ob die Gemeinde Achslach bei der Windenergie im Landkreis eine Vorreiterrolle übernehmen würde. Der Gemeinderat befürwortete per Grundsatzbeschluss die Errichtung von Windrädern, von denen mindestens zwei auf dem Schusterstein geplant waren. Doch die Vorhaben kamen nicht in Fahrt und mittlerweile sind die anfängliche Zustimmung und Zuversicht verflogen. Skepsis und Ablehnung prägen nun das Meinungsbild zur Windkraft – sowohl in der Bevölkerung als auch im Gemeinderat, der die vier, im Regionalplan Donau-Wald dargestellten Vorranggebiete strikt abgelehnt hat.
Die jüngste Gemeinderatssitzung hatte eher den Charakter einer Bürgerversammlung. Von den acht Ratsmitgliedern waren zwar nur fünf zugegen, aber bei 20 Zuhörern platzte der Mini-Sitzungssaal im Mehrzweckgebäude aus allen Nähten. Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner gestattete den Windkraft-Gegnern ein Rederecht. Somit gab es zahlreiche Wortmeldungen, wobei aber die Besucher stets sachlich ihre Meinungen und Argumente vorbrachten.
Zehn Prozent des Gebietes als Vorranggebiet geplant
Der Entwurf des Regionalplanes Donau-Wald zu Vorranggebieten für Windkraftanlagen ist vom zuständigen Planungsausschuss im Juli gebilligt worden. In der Gemeinde Achslach sind vier Vorranggebiete vorgesehen: die zwei kleineren „REG 16“ (bei Haberbühl) und „REG 17“ (Achslach-Nord, Richtung Höhenried), die fortgeführt werden in den Gemeinden Kollnburg beziehungsweise St. Englmar, und die beiden größeren „REG 18“ (Randsburg, Öd) und „REG 19“ auf den Bergrücken nahe Wolfertsried, Lindenau, Frath. Die Gesamtfläche der vier Vorranggebiete beträgt 298 Hektar.
Dichtes Gedränge im kleinen Sitzungssaal: Gemeinderäte und interessierte Zuhörer diskutierten über die umstrittenen Planungen zur Windenergie in der Gemeinde Achslach. - Foto: Michael Kramhöller
Bei einer Gemeindeflur von gut 3000 Hektar errechnet sich ein Anteil von fast zehn Prozent, über fünfmal so viel wie der anvisierte Landesbeitragswert von 1,8 Prozent. „Die kleine Gemeinde Achslach kann den Landkreis nicht retten“, grantelte Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner angesichts dieser Zahlen.
Dass Windräder die Natur und das Landschaftsbild beeinträchtigen, wurde mehrfach angesprochen. Damit verbunden seien negative Auswirkungen auf den Tourismus, hieß es. Die Bürgermeisterin erwähnte hierzu eine Befragung, die einige Hotels, Gasthöfe und Pensionen unter ihren Gästen durchgeführt haben. „Wenn hier Windräder stehen, kommen wir nicht mehr“, sei von den meisten Urlaubern angeführt worden. Dass auch die Attraktivität als Wohnort abnehmen würde, gaben einige Zuhörer zu bedenken.
Gefahr für die Wasserversorgung
Ernsthaft gefährdet sieht die Bürgermeisterin die Wasserversorgung. Bei Zufahrten und Standorten für Windräder sei mit enormen Erdbewegungen zu rechnen, bei Felsvorkommen müsse gesprengt werden. „Wir investieren derzeit einige Millionen Euro in Tiefbrunnen, Hochbehälter und neue Leitungen zur Sicherung unserer Wasserversorgung“, bekräftigte Wittenzellner. Es wäre fatal, wenn Quellen der Gemeinde versiegen würden. In den Vorranggebieten befänden sich zahlreiche private Quellen von Landwirten, deren Wasser für die Bewirtschaftung ihrer Betriebe existenznotwendig ist. Die Bürgermeisterin kündigte an, dass sie einen Hydrogeologen kontaktieren werde, um sich über die mögliche Gefährdung der Wasserversorgung aufklären zu lassen.
Mehr oder weniger erörtert wurden im Verlaufe der Sitzung weitere Kritikpunkte, die die Gemeinde in ihre Stellungnahme zum Windenergie-Regionalplan aufnehmen wird: Schutz der nahegelegenen Wohnbebauung (Emissionen); Wertverlust von Wohngebäuden sowie Wiesen- und Waldflächen; Erhalt von Wald- und Wiesenflächen und Artenschutz (speziell Perlmuschelbach und FFH-Bereiche); schwieriger Brandschutz bei technischen Defekten der Windanlagen in riesigen, zusammenhängenden Waldgebieten; ungenügender Stromnetzausbau; Zweifel an ausreichender Windstärke; ungenügende Alternativenprüfung (PV-Anlagen, Wasserkraft); überproportionale Beanspruchung der Gemeinde Achslach.
Pläne für Windräder am Schusterstein auf Eis
Nicht unerwähnt ließ Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner die auf Eis liegenden Pläne zum Bau von Windrädern auf dem Schusterstein. Die dortigen Waldflächen befänden sich größtenteils im Besitz der Bayerischen Staatsforsten, die „nach wie vor an der Errichtung von Windanlagen interessiert sind“. Kompliziert sei aber der notwendige Ausbau von Forstwegen, die zahlreiche private Waldflächen erschließen. Die Rathauschefin berichtete, sie habe die meisten Eigentümer befragt, von denen allerdings keiner bereit sei, den zum Ausbau benötigten Grund abzugeben.
An die Informationsfahrt nach Heidelheim im Fichtelgebirge, die Ratsmitglieder und ein paar Interessenten kurz nach dem Grundsatzbeschluss unternommen hatten, erinnerte Gemeinderat Hans Helmbrecht. Nach der Besichtigung des Windparks mit fünf Anlagen habe man mit Ortsbewohnern gesprochen, die sich nur positiv geäußert hätten: keine Beeinträchtigung der Lebensqualität, keine Lärmentwicklung, keine negativen Auswirkungen auf Natur und Tourismus. Allerdings, so wurde angeführt, sei der Windpark Heidelheim auf der grünen, ebenen Wiese entstanden und mit den geografischen Verhältnissen in Achslach nicht vergleichbar.
Kritik am „Durchprügeln“ des Regionalplanentwurfs
Zu dem vor drei Jahren gefassten Grundsatzbeschluss wollte die Bürgermeisterin klargestellt haben: „Wir haben ,Ja‘ gesagt unter der Bedingung, dass alles passen muss und nichts über die Köpfe der Bürger hinweg entschieden wird“. Zur Windenergie habe in der Bevölkerung mittlerweile ein Umdenken stattgefunden und es gebe massiven Widerstand.
Heftige Kritik übte Wittenzellner abschließend am Windkraft-Regionalplan. „Der Entwurf wird jetzt durchgeprügelt, weil die im Bundesgesetz fixierten Vorgaben zu erfüllen sind. Ohne Ahnung von der Infrastruktur einer Gemeinde sind Vorranggebiete eingezeichnet worden. Bei uns wurde mit fast 300 Hektar übers Ziel hinausgeschossen“, wetterte die Rathauschefin. Probleme seien vorprogrammiert und am Ende müssten die Gemeinden alles ausbaden.
Der Entwurf des Regionalplanes wurde vom Gemeinderat einstimmig abgelehnt. In der Stellungnahme, die an den Planungsverband geschickt wird, sind nach Ansicht der Bürgermeisterin „genügend hieb- und stichfeste Begründungen“ gegen die Ausweisung der Windkraft-Vorranggebiete enthalten.














