In der Gemeinde Achslach im Landkreis Regen werden seltene Steinkrebse durch gezielte Schutzmaßnahmen vor der Ausbreitung des invasiven Signalkrebses bewahrt. Zwei neu errichtete Krebssperren sollen verhindern, dass der aggressive Einwanderer in die kleinen Wald-Bäche gelangt, in denen sich die größte Steinkrebs-Population Bayerns befindet.
Zwei Bacherl ohne Namen, entsprungen in einem Waldstück in der Gemeinde Achslach, fließen nach ein paar hundert Metern zusammen und münden danach über einen Graben in einen größeren Bach. Die nur rund einen halben Meter breiten Rinnsale gelten als ideales Rückzugsgebiet für den Steinkrebs. Vor drei Jahren wurden auf einer Länge von 100 Metern über 700 Exemplare gezählt.
„Hier befindet sich die größte Steinkrebs-Population zumindest in Bayern“, schwärmt Daniel Krapfenbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Bayerischen Landesamt für Umwelt (LfU). Diesem einzigartigen Bestand droht aber nun Gefahr durch die sogenannte Krebspest, die vor allem durch den größeren und aggressiveren Signalkrebs übertragen werden kann. Als Schutzmaßnahme wurde deshalb vor der Einmündung der beiden schmalen Wasserläufe eine Krebssperre errichtet.
Sperre verhindert das Eindringen der Signalkrebse
Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner ist mit Daniel Krapfenbauer und Martin Graf von der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamts Regen – mittlerweile auch ein „Flusskrebsexperte“ – vor Ort, als Mitarbeiter der Spenglerei Lerchl aus Neukirchen vorm Wald die Arbeiten zum Einbau der beiden Krebssperren in Angriff nehmen. Bei der ersten wird lediglich ein rostfreies Edelstahlblech auf einen bestehenden Absturz aufgeschraubt. „Der Vorteil dieser Variante ist, dass kein zusätzliches Wanderhindernis für andere aquatische Organismen entsteht“, sagt der LfU-Krebsmanager. Außerdem werde das Abflussgeschehen im Bach nicht verändert.
Die Krebssperre aus Edelstahlblech am Ende des Bächleins soll den Signalkrebsen das Eindringen in den Lebensraum der Steinkrebse unmöglich machen. - Foto: Michael Kramhöller
Für die zweite Sperre wurde ein zusätzlicher Absturz mit Granitsteinen angelegt, der anschließend mit Blech verkleidet wird. Daniel Krapfenbauer dazu: „Diese Variante wird nur in Ausnahmefällen und unter bestimmten Bedingungen angewendet“. Außerdem müsse dieser Einbau vorher mit Wasserwirtschaftsamt, Fischereifachberatung sowie der Naturschutzbehörde abgestimmt werden. „Das glatte Material der Sperren verhindert, dass Signalkrebse in den Lebensraum der Steinkrebse eindringen können.“
Eingeschleppter Artgenosse bedroht die Steinkrebse
Die Wald-Bacherl bieten den Steinkrebsen offenbar optimale Lebensbedingungen mit kiesig-sandigen Böden und zahlreichen Steinen, unter denen sich die Tiere verkriechen können. Das saubere Wasser plätschert langsam dahin, der Fischbestand erscheint gering. „Wir haben bisher nur einige Bachforellen und Mühlkoppen gesehen“, erzählt Martin Graf.
Krebsexperten im Einsatz: Achslachs Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner bedankte sich bei Martin Graf (l.) vom Landratsamt und Daniel Krapfenbauer (r.) vom Bayerischen Landesamt für Umwelt. - Foto: Michael Kramhöller
Die Steinkrebse erreichen eine Größe von neun bis zwölf Zentimeter und befänden sich noch in der „Winterruhe“. Laut Krapfenbauer erfolge die Fortpflanzung im Herbst, die Larven – bis zu 50 pro Weibchen – würden in den Monaten Mai/Juni schlüpfen. Die Steinkrebse seien „Allesfresser“, sie ernähren sich von Laub, Wasserpflanzen, Insekten oder toten Fischen.
Doch nun bedroht sie ein aus Nordamerika eingeschleppter Artgenosse: „Der Signalkrebs hat sich innerhalb weniger Jahre sehr schnell verbreitet und ist hier schon in der einige Kilometer entfernten Teisnach gesichtet worden“, berichtet Krapfenbauer. Der Signalkrebs sei mit 18 Zentimetern wesentlich größer als der Steinkrebs, aggressiver und konkurrenzfähiger. Zudem erreiche er mit bis zu 300 Eiern pro Weibchen eine sechsmal höhere Fortpflanzungsquote. Und er sei immun gegen die Krebspest, die er dadurch übertragen und die Steinkrebs-Bestände vernichten könne.
Krebssperren kosten etwa 8000 Euro
Beim Einbau der Krebssperren habe man darauf geachtet, dass der natürliche Bachlauf so wenig wie nötig beeinträchtigt werde, bekräftigt Daniel Krapfenbauer, der die Kosten auf etwa 8000 Euro beziffert. Der Staat und die Gemeinde würden die Maßnahme unterstützen, bräuchten aber kein Geld in die Hand nehmen. Die Finanzierung übernehme eine Stiftung, vor 17 Jahren vom damaligen Audi-Produktionschef Frank Dreves gegründet. Sie fördert verschiedene Umweltprojekte in ganz Deutschland.
Die Entdeckung des einzigartigen Steinkrebsvorkommens in der Gemeinde Achslach war vor drei Jahren als Sensation bezeichnet worden und hatte für mediales Aufsehen gesorgt. Einige überregionale Zeitungen, darunter ein Boulevardblatt sowie das Bayerische Fernsehen hatten berichtet. Angelockt wurden dadurch Neugierige und Touristen, die sich bis auf wenige Ausnahmen vernünftig verhalten hatten.
Die „Krebsexperten“ Krapfenbauer und Graf hoffen, dass Spaziergänger und Naturliebhaber auch künftig die nötige Rücksicht walten lassen und den Lebensraum der Steinkrebse nicht stören. Bestand und Effektivität würden weiterhin regelmäßig kontrolliert. Trotzdem werde ein einheimischer, ehrenamtlicher „Krebspate“ gesucht, der an den Sperren nach dem Rechten schaut und eventuellen Moosbefall, Schwemmgut oder herabgefallene Zweige und Äste beseitigt. Interessenten können sich bei der Bürgermeisterin melden.














