Spektakuläre Aktion beim Bau des neuen Wasserhochbehälters Lindenau in der Gemeinde Achslach im Landkreis Regen: Die beiden Speicherkammern, jeweils 11,5 Meter lang und 3,5 Meter im Durchmesser, hat ein Autokran in die Baugrube gehoben. Die röhrenförmigen PE-Behälter waren vorher per Schwertransport nach Achslach gebracht und nach dem Umladen von einem großen Traktor mit Tieflader zur Baustelle befördert worden. Rund drei Stunden dauerte das Einsetzen der beiden Trinkwasserspeicher und deren Anschluss ans Technikgebäude des Hochbehälters, der rund 1,37 Millionen Euro kosten wird.
Für Transport und Einbau der Speicherröhren war eine ausgeklügelte Logistik erforderlich. Der Einsatz von Spezialfahrzeugen und Spezialmaschinen ist sehr teuer und gemäß der Devise „Zeit ist Geld“ musste ein Rad ins andere greifen, damit es nicht zu Verzögerungen oder gar zu einem Stillstand kommt. Hergestellt wurden die beiden Wasserkammern von der Firma Frank in Mörfelden-Walldorf in der Nähe des Flughafens Frankfurt/Main. Dort startete der Schwertransport, eine Sattelzugmaschine mit Tieflader, hinten und vorne abgesichert von zwei Begleitfahrzeugen und einem Polizeiwagen. Die Anfahrt durfte nur in den Nachtstunden erfolgen und führte größtenteils über Autobahnen.
Schwertransport kam aus Frankfurt am Main
Eine Länge von 11,5 Meter, einen Durchmesser von 3,5 Meter und ein Fassungsvermögen von 90 Kubikmeter haben die PE-Pufferspeicher, die mit Traktor und Tieflader zur Baustelle transportiert wurden. - Foto: Michael Kramhöller
Die erste Etappe endete in Straubing. In der zweiten Nacht ging es von dort aus weiter nach Achslach. In den frühen Morgenstunden erreichte der mit den Wasserröhren beladene Sattelzug schließlich sein Ziel: das Sägewerk Ebner, das ihr Betriebsgelände für den Aufenthalt des Schwertransportes und fürs Umladen zur Verfügung gestellt hatte. Mittlerweile waren zwei Autokräne der Firma Meier aus Plattling angerückt. Der erste machte sich bei Holz-Ebner fürs Umladen bereit, der zweite fuhr drei Kilometer weiter zur Hochbehälter-Baustelle oberhalb der Ortschaft Lindenau.
Sattelzug war zu breit für die schmalen Straßen
Da mit dem langen und breiten Sattelzug das Befahren der schmalen und kurvenreichen Gemeinde- und Ortsstraßen nicht möglich war, wurde ein weiteres Gefährt organisiert: ein 300 PS starker Fendt-Traktor mit einem Tieflader, der sonst Heu- oder Siloballen transportiert, des Achslacher Landwirts Christian Stiglbauer. Beim Umladen hievte der Autokran den ersten Wasserbehälter auf den Tieflader und Wolfgang Maurer steuerte das Traktor-Gespann problemlos hinauf zum Hochbehälter.
Auf der Baustelle war es am Vortag noch hektisch geworden, da nachgebessert werden musste. Im Unterbau für die beiden Wasserspeicher waren Steine zu sehen, die die Kunststoff-Röhren hätten beschädigen können. Edi Moser vom planenden Ingenieurbüro „Kiendl & Moosbauer“ (Deggendorf) ordnete sofort einen Bodenaustausch an. Die Baufirma musste dafür kurzfristig einen zweiten Bagger zum Hochbehälter-Standort bringen. „Gott sei Dank konnte noch alles rechtzeitig erledigt werden“, sagte Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner. Sie zeigte sich erleichtert, machte aber unmissverständlich deutlich, dass eventuelle Mehrkosten von der Gemeinde nicht bezahlt werden.
Die letzten Handgriffe beim Anschluss der Speicher im Gebäude verfolgten Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner (von links) und Wolfgang Augenstein, Geschäftsführer der Firma Schwarzkopf, die nun mit dem Einbau der Technik beginnen kann. - Foto: Michael Kramhöller
Nach der Ankunft des Traktor-Transports trat der zweite Autokran in Aktion, nahm den etwa acht Tonnen schweren Wasserspeicher an zwei Haken und balancierte diesen durch die Luft behutsam in die Baugrube.
An zwei Haken durch die Luft in die Baugrube
Auch die nächste Herausforderung meisterte der Kranführer souverän und bewegte die 11,5 Meter lange Röhre in Zentimeter-Arbeit in die vorgesehene Öffnung des Technikgebäudes. Drinnen sorgten Monteure für die Befestigung des Wasserspeichers, draußen nahmen Bauarbeiter dessen Unterfütterung mit Splitt-Material vor. Kurz darauf tuckerte das Traktor-Gespann mit der zweiten Röhre um die letzte Kurve der Schotterstraße. Und nach dem Halt vor dem Kran konnte die gleiche Prozedur von vorne beginnen.
Auch beim zweiten Wasserbehälter lief alles wie am Schnürchen. Die beiden Röhren wurden in einem Ein-Prozent-Gefälle eingebaut, damit bei Reinigungs- oder Wartungsarbeiten kein Wasser stehen bleibt. Vom Anfang bis zum Ende verfolgte Bürgermeisterin Gaby Wittenzellner die dreistündige Aktion, genauso wie Bernhard Mader, Chef der gleichnamigen Baufirma aus Bischofsmais, einige Mitarbeiter des Planungsbüros sowie Wolfgang Augenstein, Geschäftsführer der Firma Wassertechnik Schwarzkopf aus Schöllnach, die in wenigen Tagen mit dem Einbau der modernen technischen Ausstattung des Hochbehälters starten wird. Ansonsten waren aber keine Schaulustigen zu der abseitsgelegenen Baustelle gekommen. Abschließend bedankte sich die Gemeindechefin beim Sägewerk Ebner für die Bereitstellung des Betriebsgeländes und bei Christian Stiglbauer, mit dessen Traktorgespann die beiden Röhren von Achslach zur Hochbehälter-Baustelle befördert wurden.
Fassungsvermögen beträgt jeweils 90 Kubikmeter
Die beiden Kammern verfügen über ein Fassungsvermögen von jeweils 90 Kubikmeter, sodass im fertigen Hochbehälter Lindenau insgesamt 180 Kubikmeter Trinkwasser gespeichert werden können. Die Desinfektion des Wassers erfolgt über eine Ultrafiltration mit nachgeschalteter UV-Anlage, die Entsäuerung mit Jura-Perle (Calciumcarbonat). Laut Angaben der europaweit tätigen Produktionsfirma Frank sind die aus umweltfreundlichem Polyethylen hergestellten Pufferspeicher für eine Nutzungsdauern von mindestens 100 Jahren ausgelegt.
Der Bau des neuen Wasserreservoirs verschlingt 1,368 Millionen Euro, die Baumeisterarbeiten für das Funktionsgebäude aus Stahlbeton sind für 673 000 Euro vergeben worden, die technische Ausstattung für 695 000 Euro. Die Finanzierung bringt die kleine Gemeinde Achslach an ihre Leistungsgrenze, da für das Projekt eine Förderung von lediglich 190 000 Euro in Aussicht gestellt ist. Der Hochbehälter kann aber nicht nur den Bereich Lindenau versorgen. Eventuelle Engpässe in der Ortschaft Achslach können mit einer Ringleitung, erstellt im Zuge der Wasserleitungserneuerung in der Hauptstraße, überbrückt werden.














